Gründung und Geschichte

Anläßlich des 75. Todestages des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. am 13. Juni 1961 veranstalteten Heimatfreunde auf Herrenchiemsee eine großartige Gedenkfeier. Tausende von Bayern, Trachtlern, Gebirgsschützen versammelten sich vor dem Königsschloß. Auch Herzog Albrecht mit Familie, Prinzessin Helmtrud von Wildenwart und viele andere Honoratioren nahmen an der Veranstaltung teil. Abt Hugo Lang von St.Bonifaz zelebrierte vor der Schloßfassade ein feierliches Pontifikalamt.
Nach der Festrede von Dr. Franz Zech wurden Heimatfreunde in den Kaisersaal des Alten Chorherrenstiftes eingeladen, um sich Gedanken über die Zukunft der Insel mit ihren fast vergessenen und teilweise verwahrlosten historischen Reminiszenzen zu machen.
Nach längeren Diskussionen beschlossen die Anwesenden, einen Verein zu gründen, der sich mit diesen Problemen der Insel befassen sollte: Mit der Wiederherstellung der nach dem Tod des Königs zerstörten Wasserspiele vor dem Königsschloß sowie mit der Sicherung des verwahrlosten alten Domstiftes und der Wiederherstellung des verwüsteten Inseldomes.
Intention des Vereins sollte sein, in enger Zusammenarbeit mit dem Eigentümer der Insel, mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, an diese Aufgaben heranzugehen und auch Mittel des Vereins sowie von Mäzenen dafür zu sammeln und zu verwenden. Daraus ergab sich ein drittes Ziel: Die weitgehend unbekannte Geschichte des Klosters und Domstiftes zu erforschen und zu dokumentieren.
54 Teilnehmer erklärten spontan ihren Beitritt, darunter auch der damalige Landtagspräsident Hanauer, Regierungspräsident Mang, Landräte, Historiker, Bürgermeister und viele andere Bürger. Aus der Wahl zur ersten Vorstandschaft gingen folgende Persönlichkeiten hervor:

1. Vorsitzender Dr. Hugo Decker
2. Vorsitzender Dr. Franz Zech, Grassau
Schriftführer Reg. Landwirtschaftsrat Albert Soukup, Herrenchiemsee
Kassier Bankdirektor Josef Gumpp, Rosenheim
Beisitzer Dr. Rupert Dorer, Prien.

Dr. Decker übte 23 Jahre lang das Amt des 1. Vorsitzenden aus. Unter seiner Ägide empfahl Staatsminister Dr. Alois Hundhammer, sich zuerst mit der Wiederherstellung der zerstörten Wasserspiele vor dem Königsschloss zu befassen. Erst dann solle man sich mit der Restaurierung der verwüsteten Domstiftskirche beschäftigen.
Auf Anregung von Staatsminister Dr. Ludwig Huber wurde zur gleichen Zeit beschlossen, einen Zuschlag von 1 DM auf den Eintrittspreis zum Königsschloss zu erheben, um die Finanzierung der Vorhaben zu erleichtern.
Das erste besonders eindrucksvolle Ereignis war die Jubiläumsfeier zum 750. Jahrestag der Gründung des Bistums Chiemsee am 30. Mai 1965. Vor dem Torso des Inseldoms war ein Altar aufgebaut, an dem der damalige Erzbischof von Salzburg, Dr. Andreas Rohracher, ein Pontifikalamt zelebrierte. Die Fest-Predigt hielt Kardinal Dr. Julius Doepfner von München.
An der großartigen Feier mit anschließender Festakademie im Kaisersaal nahmen neben vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auch Abordnungen der früheren Herren der Insel, Benediktiner und Augustinerchorherren teil.

Nicht weniger spektakulär war die Rückkehr der letzten erhaltenen Domglocke 1969. Nach mehreren Irrfahrten nach der Säkularistion war die im Turm der Pfarrkirche von Kemathen gelandet. Lange Verhandlungen ermöglichten schließlich ihre Rückkehr auf die Insel. Dort wurde sie im Westfenster der Domkirche aufgehängt und am 1. August 1969 zum ersten
Mal wieder auf Herrenchiemsee geläutet.
Im gleichen Jahr 1969 gab Staatsminister Dr. Pöhner mit dem ersten Spatenstich den Startschuß zur Wiederherstellung der Wasserspiele. Nach jahrelanger Bauzeit sprudelten am 20. Juli 1972 nach gut 90 Jahren die Fontänen des Latona-Brunnens wieder.
Im Jahre 1976 wurden erste Gespräche wegen geplanter Ausgrabungen in der keltischen Ringwall-Anlage im Süden der Insel, im Stiftsbereich und in der Domkirche mit Prof. Dr. Vladimir Milojcic geführt. Nach dem überraschenden Tod des Professors übernahm der Leiter der Prähistorischen Staatssammlungen München, Dr. Hermann Dannheimer im Jahre 1979 die ärchäologischen Untersuchungen, die mit sensationellen Ergebnissen endeten. Sie erbrachten, dass der bayerische Historiker des 16. Jahrhunderts, Aventinus, recht hatte,
der Herrenchiemsee zu den ältesten und ehrwürdigsten Orten Bayerns zählt. Die Ausgrabungen im Innern der Domkirche entdeckten zwei Vorgängerbauten aus der Mitte des 7. Jahrhunderts.

Ebenfalls 1979 konnte das 300jährige Kirchweih-Jubiläum der jetzigen, barocken Domstiftskirche gefeiert werden. Der damalige Fürstbischof von Chiemsee, Johann Franz Graf von Preysing-Hohenaschau weihte sie mit 8 Altären in den Tagen vom 7.- 9. Mai 1679 unter größter Prachtentfaltung ein. Einen feierlichen Gedenkgottesdienst anlässlich dieses Jubiläums feierte am 8. Mai 1979 der Augustinerchorherren-Propst Dr. Chrysostomus Giener von Neustift bei Brixen, ein ehemaliges Tochterkloster von Herrenchiemsee.

Im Herbst 1984 legte der Vorsitzende Dr. Hugo Decker nach 23jähriger, verdienstvoller Tätigkeit im Alten von 85 Jahren sein Amt nieder. Schon ein Jahr später haben wir ihn in Bernau zur letzten Ruhe begleitet.
Ihm folgte Dr. Franz Zech, der 2. Vorsitzende. Dieser betrieb als besonderer Verehrer des Märchenkönigs Ludwig II. die Fertigstellung der Wasserspiele. Schon zwei Jahre später, am 6. Juni 1986, wurde in einem Festakt mit Konzert des 100. Todestages des Königs gedacht. An diesem Tag konnte ein großer Teil der Wasserspiele in Betrieb genommen werden.

Daneben gelang der Vereinigung der Erwerb eines aus der Domkirche stanmmenden Bildes von Joh. Bapt. Zimmermann, die Heiligen Sabinianus und Eutyches darstellend. Es ist auch deshalb besonders wertvoll, weil es die noch intakte Dom-Fassade um die Mitte des 18. Jahrhunderts darstellt.
1991 erschien eine beachtliche Magisterarbeit eines Mitglieds unserer Vereinigung, Frau Heike Simon, mit einer Untersuchung der barocken Domstiftskirche.

Im gleichen Jahr 1991 schlug Staatsminister Dr. Georg von Waldenfels mit einem weiteren Spatenstich das letzte Kapitel der Wiederherstellung der restlichen Wasserspiele auf.
Zugleich wurde mit einem Festvortrag des 1. Vorsitzenden und einem Konzert in der Spiegelgalerie das 30jährige Gründungsjubiläum gefeiert.
Am 12. Juni 1994 konnte mit der feierlichen Inbetriebnahme auch des Fama- und Fortunabrunnens der beiden großen Becken die Wiederherstellung der gesamten Wasserspiele abgeschlossen werden.

Am 31. März 1995 verstarb Dr. Franz Zech. Sein Nachfolger als 1. Vorsitzender wurde Ernst Rieger aus Trostberg. Lorenz Kollmannsberger, damals Bürgermeister von Prien, wurde 2. Vorsitzender.

Ein großes Ereignis war im September 1998 die 1200-Jahrfeier des Erzbistums Salzburg. Zu dieser großartigen Veranstaltung waren auch die ehemaligen und heutigen SuffraganBistümer Salzburgs zu aktiver Teilnahme und Darstellung eingeladen. So hatte das Bistum Chiemsee neben dem Bistümern Freising, Passau. Regenburg, Gurk, Seckau, Lavant und Brixen einen großen Informationsstand auf dem Kapitelplatz in Salzburg. Das Interesse der Bevölkerung war groß, denn Chiemsee ist von allen alten Suffraganen das einzige Bistum,
das heute nicht mehr existiert. Der Erzbischof von Salzburg besuchte den Stand und war von den Bildern der verwüsteten Domstiftskirche sehr beeindruckt.
Im Konventstock des ehemaligen Chorherrenstiftes wurde von der staatlichen Verwaltung ein Museum eingerichtet, in dem auch wichtige Exponate aus dem Besitz der Vereinigung ausgestellt sind. Es sind zwei bedeutende Werke des großen Chiemsee-Bischofs Berthold Pürstinger, Urkunden mit prachtvollen Siegeln, Münzen bezw. Medaillen des Chiemseebischofs Dr. Christoph Schlattl und des Propstes Rupert Kögel.

In jüngster Zeit restaurierte die staatliche Verwaltung mit dem Placet des Bayerischen Finanzministeriums den gesamten ehemaligen Fürstentrakt mit den darin befindlichen Prunkräumen. Erheblicher finanzieller Aufwand vereinte sich mit großem restauratorischen Können zu einem glanzvollen Ergebnis. So kann jetzt, zwei Jahrhunderte nach der Säkularisation, sowohl die Hofküche als auch der prachtvolle Kaiser- und Gartensaal von der Öffentlichkeit besichtigt werden.
Viele der beschriebenen erfreulichen Entwicklungen in der bald 50jährigen Geschichte unserer Vereinigung verdanken wir unseren treuen, ca. 400 Mit-gliedern und Mäzenen, vor allem aber auch der langjährigen und erfreulichen Zusammenarbeit mit der staatlichen Verwaltung.

Nach wie vor verbleibt aber als besonders dringendes Desiderat die Wiederher-stellung der verwüsteten Domstiftskirche.
Bei der Jahresversammlung 2007 trat Ernst Rieger als 1. Vorsitzender zurück. Die Neuwahlen ergaben folgende neue Vorstandschaft:

1. Vorsitzender Lorenz Kollmannnsberger
2. Vorsitzender Bernhard Greimel
Schatzmeister Eberhard Abé
Schriftführer Helmut Eberl
Beirat : Karl J. Aß, Dr. Friedrich von Daumiller, Georg Huber, Bettina von Seyerl